Neu bei kunstunddialog der ART TALK

Betrachten wir Kunst: Als Gedankenspiel, das eine Form findet oder ein Gefühl, dass sich in Farbe umwandelt. Ein Rätsel, das entschlüsselt werden will oder ein Reiz von außen, der Ideen im Kopf entstehen lässt. Kunstbetrachtung ist ein Spiel, bei dem es nicht um Gewinnen oder Verlieren geht. Es geht nicht darum, wer die Intention des Künstlers errät. Es geht um das Schauen, Denken, Formulieren in einem Selbst. Kunstbetrachtung ist wie ein Fußballspiel, in dem niemals ein Tor fällt. Ein Streben, Kämpfen und der Wunsch, das Ding irgendwann ins Eckige zu bekommen. Man zieht von einer Seite des Spielfelds auf die andere, hat Gleichgesinnte und Gegner. Man versucht das Rätsel zu lösen, jeder auf seine Weise, im Team oder alleine. Jedoch ist der Sinn nicht die Lösung des Rätsel, sondern das Spiel an sich. Man schießt sich den Ball zu, um ihn dem anderen in der nächsten Sekunde gleich wieder abzuluchsen.

 

Diese Energie und Spannung beinhaltet auch ein Kunstwerk. Wenn man sich mit jemand anderem davor stellt und darüber diskutiert, was das denn eigentlich ist. Gemeinsam versucht man des Rätels Lösung zu finden. Aber eigentlich wäre die Lösung das Ende des Spiels. Diese Idee habe ich in einem künstlerischen assoziativen Audioguide Format umgesetzt.

 

Art Talkist ein neues Audioguide Format von ARCS AUDIO, das auf einem dialogischen Ansatz basiert. In einem Gespräch kommen die Betrachterinnen über die ausgestellte Kunst zu Wort. Ich fungiere während des Gesprächs als Katalysator zwischen Werk und Betrachter.Angeleitet durch Fragen an das jeweilige Kunstwerk denken die Betrachter über erste Assoziationen und die subjektive Wahrnehmung nach. Was macht Kunst zu Kunst? Was hat das eigentlich mit mir zu tun?

 

 

 

Diese Gespräche werden aufgezeichnet, geschnitten und in Form einer App anderen

Museumsbesucherinnen zur Verfügung gestellt. So können die Nutzerinnen auswählen, was eine 75-jährige Rentnerin über das Bild sagt oder wie 18-jährige Schülerinnen Kunst interpretieren. Inspiriert durch die Kunst-Gespräche erleben die Nutzerinnen wie ihreAugen anfangen zu denken. Die Aufnahmen werden zum Katalysator zwischen den Nutzerinnen der App und dem Kunstwerk.

 

Unser künstlerisches Audioguidekonzept öffnet den Denkraum „Kunst“.Die Gespräche sind emotional, widersprüchlich und fordern die Nutzer heraus. Die Gespräche sollen das Kunstwerk nicht komplett entschlüsseln, sondern eine Inspirationsquelle für das eigene Rätseln sein.

 

Während die Nutzerinnen hören, gleichen sie das Gehörte mit dem ab, was sich vor ihnen befindet. Sie nehmen bewusst wahr und spüren dem Gesagten im Kunstwerk nach. Daraus entsteht eine anschauende Distanz, die zeitgleich aktiviert. „Entscheidend ist, dass wir eine ästhetischen Mehrwert erst dann generieren, wenn unsere Wahrnehmung reflexiv selbstbezüglich wird […]. Ohne Reflexion keine ästhetische Erfahrung.“[1]

 

Die Gespräche stoßen das Denken an, anstatt durch Fakten jegliche Kreativität der Besucher im Keim zu ersticken. In dem die Nutzer mit den Anregungen und Äußerungen der Interviewten zurückbleiben, wird das veraltete Format des Audioguides künstlerisch umgewandelt. Die Kunst erlangt ihre Offenheit zurück und der Besucher seine Selbstständigkeit.

 

Gleichzeitig entsteht im Betrachter der Wunsch, Meinungen mit Wissen abzugleichen und mehr über das Bild zu erfahren. Fundierte kunsthistorische Texte sowie Hintergrundinformationen zu Künstler und Epoche können ebenfalls in die App integriert werden, wodurch über den künstlerischen Gedanken hinaus, Kunstvermittlung stattfinden kann.

 

Bisher wurde dieses Format im Museum für Kunst und Technik in Baden Baden und für den Urban ArtWalk Saarbrücken umgesetzt.

Hören Sie rein und überzeugen Sie sich:

https://www.arcsaudio.de/ und im App Store und Google Play Store unter ARCS AUDIO

 

Gerne realisieren wir für Ihr Museum, Ihre feste Sammlung oder temporäre Ausstellung ein solches künstlerisch dialogisches Audioformat. Es kann ohne weiteres in bestehende Geräte oder in eine App bzw. als Web App integriert werden.

[1]    Zitiert nach: Blunck, Lars: Mittendrin statt nur Davor? Vom Mitmachen und Zuschauen in der zeitgenössischen Kunst. In: Hüsch, Anette (Hg.): Von Sinnen. Wahrnehmung in der Zeitgenössischen Kunst. 14. Juli – 21. Oktober 2012. Kunsthalle zu Kiel. Kiel 2012, S. 14.

 

 

Pressemitteilung2018 kunstunddialog & arcsaudio