Wir denken in unserer Arbeit vom Besucher aus. Typische Beratungsthemen sind dabei:

  • Wie machen wir unser Museum / unser Haus attraktiver für Besucher/innen?
  • Wie können wir neue Zielgruppen gewinnen?
  • Wie erhöhen wir die Weiterempfehlungsrate durch die Besucher/innen?
  • Wie können wir Social Media einsetzen, um neue Zielgruppen zu gewinnen?

 

BETRACHTER AN DER IDEE DES KUNSTWERKES TEILNEHMEN LASSEN.

„Museen geben oft aufwändige Erklärungen, um sicher zu gehen, dass die Besucher alles verstehen, aber dadurch kommt man sich manchmal richtig doof vor, weil einem alles über verdeutlich werden muss.Wenn  ich dem Betrachter eins Kunstwerks genug Intelligenz unterstelle, an der  Aussage mitzuwirken, fühlen sie sich auch selbst intelligent genug.“ Olafur Eliasson, 2020


Partizipatorische Kulturvermittlung – für ein sich zurückziehendes Publikum ?

 

Derzeit macht sich das Bedürfnis nach mehr Teilhabe und Partizipation seitens der Institutionen, aber auch seitens der Besucher*innen bemerkbar. Museen sind nicht mehr nur noch reine Wissens- oder Lernorte, sondern werden als Begegnungs- und Unterhaltungsorte betrachtet. In der Theorie ist dem zuzustimmen. Symposien und wissenschaftliche Tagungen zum Thema Kulturvermittlung finden jährlich statt3, wobei diese nicht mehr nur theoretische Ballungsräume sein sollen, sondern vor allem Praxisbezüge herstellen sollen. Künstlerische Ansätze überschneiden sich dabei mit pädagogischen Angeboten, ebenso werden Workshopformate entwickelt. Jedoch ist die Umsetzung in den einzelnen Häusern nach wie vor schwierig.

Auf Seiten der Besucher*innen zeigen sich Hindernisse, da ihre Erwartungshaltung von ihren bisherigen (schulischen) Erfahrungen geprägt ist: der Museumsbesuch ist frontal aufgebaut und es besteht ein starkes Wissens- und Machtgefälle zwischen Vermittler*in und Betrachter*in. Besucher* innen denken von sich selbst, dass sie häufig nichts zum Museumsbesuch beizutragen haben. Insbesondere ältere Museumsbesucher*innen sind noch sehr unvertraut mit neuen Vermittlungsformaten, weshalb es ihnen schwerfällt, sich für diese zu öffnen. Im Lern-/Vermittlungskontext wurde bisweilen noch nicht kultiviert, dass die Betrachter*innen eine Meinung haben „dürfen“, ihre Wahrnehmungen und Assoziationen (auch für die Vermittlung) ernst zu nehmen und sogar wertvoll für die gemeinsame Betrachtung und Erschließung sind. Die erwachsenen Besucher*innen erwarten – trotz einer gewissen Unzufriedenheit mit expositorischen Vermittlungskonzepten – keine dialogische Kunstvermittlung. Stattdessen macht es ihnen zunächst sogar Angst, weil sie aus der Schule keinen Dialog kennen, sondern nur Prüfungen und Abfragen. Deshalb fordern sie den Dialog von sich aus nicht ein, selbst wenn sie mehr Partizipation als erstrebenswert ansehen. Für die Vermittlung ergeben sich daraus ebenfalls Hürden: So sind Vermittler* innen bei dialogischen Formaten häufig mit schweigenden Besucher* innen-Gruppen konfrontiert, die sich mit Partizipation schwertun. Sie müssen also pädagogisch geschult sein, um zunächst eine weitgehend hierarchiefreie und demokratische Atmosphäre zu schaffen.4 Zum anderen herrscht in den Köpfen einiger traditionell orientierter Vermittler* innen die Meinung vor, dass die Besucher*innen wenig beizutragen haben und banale Eindrücke der Wissensvermittlung eher im Weg stünden. Allerdings nehmen beispielsweise Besucher*innen aus sogenannten bildungsfernen Schichten partizipatorische Kulturvermittlungsangebote besser an, wenn diese wirklich auf die Bedürfnisse, Interessen und Ablehnungen dieser Zielgruppe eingehen. Mit Hinblick auf die zukünftigen Ansprüche der Besucher*innen ist außerdem zu erkennen, dass Jugendliche primär unterhalten werden wollen, was aber mit dem klassischen Konzept einer Führung schwer vereinbar ist. Zu viel Vorwissen eines umfangreichen Allgemeinwissenkanons wird vorausgesetzt, was die aktive Beteiligung am Diskurs mit den Kulturvermittler*innen hemmt bzw. diese schier unmöglich macht. Deutschland hinkt in Bezug auf neuere Vermittlungsformate im europäischen Vergleich hinterher, wobei das Rad hierbei nicht neu erfunden werden muss. Ein Blick in den angelsächsischen Raum zeigt, dass dort partizipatorische Vermittlungsformate normal sind – auch teilweise über das Marketing gesteuert. Sie haben eine Museumskultur entwickelt, in welcher die Besucher*innen eine Meinung haben dürfen und sollen. Damit einhergehend sind die Hierarchien in dortigen Museum flacher und die Weichen für eine leichtere Meinungsäußerung gestellt. Wenn Museen ihre Kulturvermittlung nicht anpassen, wird diese vermutlich bald ausgelagert und von marketingorientierten Agenturen übernommen, wie z.B. die Agentur Museum Hack aus den USA.